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Samstag, 04.12.2010:

29-jähriger Angeklagter soll Lebenspartnerin zur Prostitution gezwungen und vergewaltigt haben

MÖSSINGEN/TÜBINGEN. Die Vorwürfe wiegen schwer. Der 29-jährige Mann aus Mössingen soll seine Lebensgefährtin zwischen 2004 und 2007 zur Prostitution gezwungen und mehrfach vergewaltigt haben. Zuerst hatte sich der Libanese vor dem Amtsgericht verantworten müssen. Doch dort sah man schnell die große Dimension des Falls. Jetzt beschäftigt sich die 2. Große Strafkammer des Tübinger Landgerichts mit dem Geschehen.

Bisher ist der Prozess auf sieben Verhandlungstage angesetzt, der erste war nach wenigen Minuten schon vorüber. Staatsanwalt Michael Schneider verlas die Anklageschrift und Verteidiger Christian Niederhöfer erklärte für seinen Mandanten, dass der 29-Jährige vorerst keine Angaben zur Sache und zur Person machen werde. Die Strafkammer ist daher auf eine Vielzahl von Zeugen angewiesen. Die erste Zeugin ist das mutmaßliche Opfer. Sie wird am Montag, 6. Dezember, vor Gericht aussagen. Da es um sexuelle Dinge geht, wird die Öffentlichkeit sehr wahrscheinlich ausgeschlossen. Einen solchen Antrag hat die Nebenklage bereits gestellt.

Der Angeklagte soll seine Lebenspartnerin, mit der er angeblich nach islamischem Recht verheiratet gewesen war, zwischen 2004 und 2007 mit Drohungen dazu gebracht haben, als Prostituierte zu arbeiten. Laut Staatsanwaltschaft schickte er sie zuerst in eine sogenannte Terminwohnung nach Reutlingen, wo sie ihre Freier empfangen musste. Das ganze Geld, das sie dabei verdiente, steckte der 29-Jährige ein. Die zweite Station war ein Sex-Etablissement in Bad Cannstatt. Auch dort knöpfte der Angeklagte der Frau offensichtlich den gesamten Verdienst ab. Es folgten Bordelle in München, Konstanz und Freiburg.

Der Frau ging es körperlich immer schlechter. Zuletzt wog sie über 100 Kilo. Erst als sie 2007 wieder Kontakt zu ihrer Familie hatte, konnte sie sich aus dem unglückseligen Verhältnis lösen. Jetzt beschäftigt der Fall die Gerichte. Dabei geht es allerdings nicht nur um die Zuhälterei. Im Oktober 2009 soll der 29-Jährige die Frau und ihren Sohn vor ihrer Wohnung in Mössingen abgepasst haben. Er sei den beiden ins Haus gefolgt und habe später die Frau vergewaltigt, so die Anklage. Den Sohn hatte der Mann zuvor schon als Druckmittel benutzt, um die Frau zur Prostitution zu bringen. Außerdem soll er den Jungen einmal geohrfeigt und über Stunden nackt in einem Zimmer eingesperrt haben.

Die Staatsanwaltschaft listet in ihrer Anklageschrift noch zwei weitere Vergewaltigungen in der Mössinger Wohnung auf, die der Angeklagte im November und Dezember 2009 begangen haben soll. Zuvor war der Angeklagte einige Zeit im Libanon gewesen. Im September 2009 reiste er dann mit falschen Papieren wieder in Deutschland ein. Dieses Delikt gab der 29-Jährige am Donnerstag zu.

Eine Gutachterin wird im Prozess die Glaubhaftigkeit des Opfers beschreiben. Verteidiger Niederhöfer hält es für möglich, dass die Frau, als es um die Vergewaltigungen ging, bei der Polizei »über nicht Erlebtes berichtet« habe.



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