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Mittwoch, 16.03.2011:

Absprachen im Bordellprozess scheitern

Der Richter müht sich vergeblich, das Verfahren abzukürzen


Ratschend greifen die metallenen Schließen der Handschellen ineinander. Die zehn Angeklagten, neun von ihnen sitzen in Untersuchungshaft, müssen den Sitzungssaal in Stammheim verlassen: es wird unterbrochen, ein weiteres Mal. Denn Verteidiger und Staatsanwalt haben sich in dem Prozess um Zwangsprostitution in Flatrate-Bordellen, in dem es auch um den einstigen Pussy-Club in Fellbach geht, nicht auf eine Verständigung geeinigt. Gespräche vor Verhandlungsauftakt waren bereits ähnlich erfolglos ausgegangen.

"Es wäre für das Gericht sinnvoll zu erfahren, woran es hakt", hat Claus Belling die erneute Pause begründet. Der Vorsitzende Richter der 10. Wirtschaftsstrafkammer will verhindern, dass sich der Prozess zum weiteren Mammutverfahren am Landgericht auswächst - ähnlich dem Mordprozess gegen 21 mutmaßliche Mitglieder der Jugendbande Black Jackets, bei dem seit einem Jahr kein Ende abzusehen ist. Bellings Mühe ist vorerst vergeblich: "Es gibt kein Ergebnis", verkündet er nach fast eineinhalb Stunden Beratung knapp.

Vorläufig sind bis Ende Juni Termine anberaumt, an denen das Gericht klären muss, welche Schuld die Angeklagten auf sich geladen haben. Ihnen wird Menschenhandel vorgeworfen, außerdem Zuhälterei und Sozialversicherungsbetrug in Höhe von 2,75 Millionen Euro. Mit falschen Versprechungen sollen sie ab 2004 insgesamt 22 junge rumänische Frauen nach Deutschland gelockt und zur Prostitution gezwungen haben. Sie mussten offenbar bis zu 60 Männer an einem Tag bedienen - auch bei Krankheit, Erschöpfung, Monatsblutung.

Die einzige Frau auf der Anklagebank ist zugleich die Jüngste: Sie ist Rumänin, 23 Jahre alt und arbeitet seit sie 18 ist als Prostituierte. Der älteste der neun Männer ist ein 40-jähriger Automechaniker aus Rumänien. Zusammen mit ihm stehen auch ein Cousin und sein Bruder vor Gericht.

Letzterer, 37 Jahre alt und Werkstattschlosser, soll einer der zwei Drahtzieher der Zuhälterbande sein. Der Anklage zufolge organisierte er das Geschäft mit den Prostituierten vom Gefängnis aus. Wegen Menschenhandels hatte das Landgericht Frankfurt ihn 2007 zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Damals mussten sich zwei weitere Männer wegen Beihilfe verantworten, die auch jetzt auf der Anklagebank sitzen, unter ihnen ein ehrenamtlich engagierter Rettungssanitäter des Deutschen Roten Kreuz.

Als zweiter Drahtzieher gilt ein 34-jähriger Spätaussiedler aus Rumänien, der sich in Deutschland zunächst erfolglos als Verkäufer von Tiefkühlnahrung verdingte. Später betrieb er in Heilbronn mehrere Diskotheken, darunter den Club "Drakula", in dem laut Anklage zwei der 22 rumänischen Frauen von Hintermännern der Bande rekrutiert wurden.

Im Jahr 2006 setzte sich der 34-Jährige nach Spanien ab. Dort suchten ihn nicht nur die deutschen Behörden mit internationalem Haftbefehl, sondern auch die rumänischen. Vor einem Jahr wurde er dann in Madrid festgenommen. Auch der rumänische Staat ersuchte - erfolglos allerdings - um seine Auslieferung: In seiner Heimat war der Mann wegen Freiheitsberaubung in Abwesenheit zu fünf Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt worden.

Morgen wird vor dem Stuttgarter Landgericht weiter verhandelt.



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