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Donnerstag, 23.12.2010:
Bordell-Überfall: Teilerfolg für Verteidigung
Immer noch kein Urteil im Prozess gegen einen 31-Jährigen, der im Dezember 2009 eine Bordellbetreiberin in Bitburg überfallen und ihr 800 Euro geraubt haben soll. Vergeblich warteten die Prozessbeteiligten am Mittwoch am Landgericht Trier auf eine letzte Zeugin, die erneut nicht auftauchte.
Trier/Bitburg. (neb) So unterschiedlich können die Gefühlslagen manchmal sein: Während die Lebensgefährtin des Angeklagten am Mittwoch mit den Tränen kämpft, als Richter Armin Hardt die Verhandlung wegen schweren Raubs vor dem Landgericht Trier vertagt, ballt der Verteidiger ihres Freunds, Rechtsanwalt Sven Collet, die Faust.
Mit dem Beschluss der Strafkammer, den Prozess im Januar fortzusetzen, steht fest: Der 31-jährige Angeklagte, der bestreitet, vor gut einem Jahr eine Bordellbetreiberin in Bitburg im Treppenhaus mit Pfefferspray angegriffen und ihr die Handtasche mit den Tageseinnahmen in Höhe von 800 Euro entrissen zu haben, bleibt auch über Weihnachten und Neujahr in Haft. Ein schwerer Schlag für seine Freundin, die auf einen Freispruch gehofft hat.
Nichtsdestotrotz hat auch die geballte Faust des Verteidigers ihre Berechtigung: Statt die Beweisaufnahme wie angekündigt zu schließen gibt das Gericht Collets Antrag statt, zuvor noch eine letzte Zeugin zu vernehmen. Bereits drei Mal war die Prostituierte geladen, drei Mal erschien sie nicht - aus unterschiedlichen Gründen. Am Mittwoch fehlt sie erneut.
Sie hatte am Tatabend ebenfalls in dem Bordell in Bitburg gearbeitet, soll allerdings kurz vor dem Überfall nach Trier aufgebrochen sein. "Wir brauchen sie nicht unbedingt als Zeugin, da sie den Ort des Geschehens vor der Tat verlassen hat", sagt Richter Hardt zunächst. Verteidiger Collet sieht das anders: Es sei nicht auszuschließen, dass die Prostituierte selbst etwas mit dem Überfall auf ihre Chefin zu tun habe.
Die Bordellbetreiberin hatte den Angreifer nicht erkannt, lediglich Indizien führten zum Angeklagten, dessen Freundin auch in dem Bordell arbeitete: So hatte der 31-Jährige zunächst gelogen und behauptet, zur Tatzeit nicht in Bitburg gewesen zu sein - die Verbindungsdaten seines Handys beweisen das Gegenteil. Handschuhe, die am Tatort gefunden wurden, trugen seine Fingerabdrücke - er sagt, er habe sie zum Reifenwechsel benutzt.
Doch verdächtige Umstände, so ist sein Verteidiger überzeugt, gebe es auch bei der Prostituierten, die bislang nicht vor Gericht erschienen ist: Ihre Behauptung, am Tatabend noch nach Trier gefahren zu sein, um ihre spärlichen Einnahmen zur Bank zu bringen, sei ebenso fragwürdig wie die Tatsache, dass sie bereits nach 40 Minuten wieder zurück in Bitburg war. "Das ist selbst in der Nacht kaum zu schaffen", ist Collet überzeugt und besteht auf die Vernehmung der Zeugin vor Gericht.
Gleichzeitig regt er gestern an, anhand der Handyverbindungsdaten zu prüfen, ob sich die Prostituierte nicht doch zur Tatzeit in Bitburg aufgehalten habe. Beidem folgt das Gericht.
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