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Donnerstag, 17.06.2010:
Bordell-Betreibern droht langes Verfahren
Stuttgart - Das Verfahren gegen die Betreiber der "Pussy-Club"-Bordelle droht zum Mammut-Prozess zu werden. 39 Verhandlungstermine sind mittlerweile anberaumt, die sich voraussichtlich bis zum 29. Oktober hinziehen werden, sagte eine Sprecherin des Stuttgarter Landgerichts der dpa auf Nachfrage. Die fünf Hauptangeklagten im Alter von 22 bis 30 Jahren sollen in vier sogenannten "Flatrate"-Bordellen in Fellbach (Rems-Murr-Kreis), Heidelberg, Wuppertal und Berlin Frauen unter unwürdigen Bedingungen beschäftigt und sich so des Menschenraubes schuldig gemacht haben. Außerdem wird ihnen vorgeworfen, rund 2,3 Millionen Euro Sozialversicherungsbeiträge am Fiskus vorbeigeschleust zu haben. Ein weiterer 30-Jähriger steht wegen Beihilfe vor Gericht.
Weil sich die Männer und Frauen bei Prozessbeginn Mitte Februar nicht zu den Vorwürfen geäußert haben, müssen in dem Verfahren zahlreiche Zeugen gehört werden. 27 wurden nach Angaben der Gerichtssprecherin bereits vernommen, darunter Prostituierte ebenso wie Polizisten. Laut Tatvorwurf sollen die Angeklagten rund 200 Frauen von März 2008 bis Juli 2009 in den vier Bordellen mit niedrigen Pauschalpreisen beschäftigt haben. Die meisten seien Rumäninnen und hätten keine gültige Arbeitserlaubnis gehabt. Für 100 bis 200 Euro hätten sich die Frauen einen Tag lang zur Verfügung gehalten.
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt zudem gegen mutmaßliche Mitglieder eines bundesweiten Menschenhändlerringes. Die Bande, die im März aufgeflogen ist, soll in Verbindung mit den "Pussy-Club"-Bordellen gestanden haben. Ob und wann Anklage gegen die Verdächtigen erhoben wird, stehe noch nicht fest, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die 20 Männer und Frauen, von denen 17 in Haft sitzen, sollen junge Frauen aus Rumänien unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt und jahrelang zur Prostitution gezwungen haben. Die Opfer hätten in Flatrate-Bordellen in Heidelberg, Schönefeld (Brandenburg), Recklinghausen (Nordrhein-Westfalen), Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz) und Barsinghausen (Niedersachsen) Dienst tun müssen.
Vergleichen möchte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft beide Fälle nicht, obwohl sie teilweise sogar ineinandergreifen. "Es sind zwei getrennte Verfahren." Zwar gehe es jeweils um den Vorwurf des Menschenhandels. Wie schwer die Fälle jedoch wiegen, habe nicht die Staatsanwaltschaft, sondern das Gericht zu entscheiden.
Die beiden umstrittenen Bordelle in Fellbach und Heidelberg bieten inzwischen keinen Flatrate-Sex mehr an. Während das Heidelberger Haus weiter "Pussy Club" heißt, haben beim Bordell in Fellbach bei Stuttgart inzwischen Betreiber und Name gewechselt.
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