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Donnerstag, 06.05.2010:

Die Kunden im Schichtdienst befriedigt

Fellbach Pussy-Club-Prozess: eine Zeugin schildert die Zustände in dem Bordell. Von Thomas Schwarz

Im Verfahren gegen die ehemaligen Betreiber des Fellbacher Flatrate-Bordells Pussy-Club hat eine 23-jährige Rumänin die Arbeitsbedingungen in derartigen Etablissements ans Licht gebracht. Sie gehört zu den Zeugen, die vor der 6. Wirtschaftsstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts die Frage beantworten sollen, ob sich die 26-jährige ehemalige Chefin und fünf ihrer Mitarbeiter des Sozialversicherungsbetrugs schuldig gemacht haben. Die Prostituierten hätten nicht, wie vorgegeben, selbstständig angeschafft, sondern als Beschäftigte, so der Vorwurf.

Die Fragen, die der 23-Jährigen gestellt wurden, sollten zwar klären, ob ihr einer der Angeklagten Anweisungen gegeben habe, von wem sie ihr Geld bekommen habe und wie viel. Doch die Aussage der Frau, die nicht in dem im März geschlossenen Haus in Fellbach (Rems-Murr-Kreis), sondern in einem Heidelberger Pussy-Club gearbeitet hat, machte vor allem das Schicksal der dort arbeitenden Frauen und die Zustände in den Flatrate-Bordellen deutlich. Freiern wurde dort gegen einen Festpreis gestattet, so oft sie wollten, mit Prostituierten zu verkehren.

Vor fünf Jahren war die Zeugin mit einer Freundin nach Deutschland gekommen, weil ihr ein Job in der Gastronomie versprochen worden war. In Mannheim angekommen, sei aus dem Restaurant ein Club geworden, und der Mann, mit dem sie eingereist seien, habe deutlich gemacht, was sie tun sollten. "Wir sollten Sex mit Kunden machen", berichtete sie. "Wir haben gesagt, wir machen das nicht, wir fahren wieder nach Hause." Daraufhin habe es Drohungen gegeben, schließlich hätten sie sich in ihr Schicksal ergeben.

Einige Jahre später, im Februar 2009, habe sie im Heidelberger Pussy-Club angefangen. Zwei Wochen habe sie dort angeschafft. Mehrere der jetzt Angeklagten gehörten damals zum dortigen Management. 1000 Euro pro Woche habe man ihr in Aussicht gestellt, es seien dann jedoch nur 350 Euro geworden. Im Schichtdienst habe sie Kunden befriedigt. Die Zustände seien unvorstellbar gewesen. "Mit zwei, drei Kunden gleichzeitig, bis zu 20 vormittags und 20 abends." Mehr als 100 Freier hätten sich gleichzeitig in den Räumen aufgehalten.

Weil sie vergeblich auf das ihr versprochene Geld gepocht hatte, hat sie mit ihrem Freund und einem Komplizen Anfang März 2009 die Betreiber des Bordells überfallen, um ihnen die Tageseinnahmen abzunehmen. Drei Jahre und neun Monate Gefängnis muss die 23-Jährige dafür absitzen. Während der Tat ist einer der nun Angeklagten mit einem Messer am Bein verletzt worden. Der Prozess wird fortgesetzt.



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