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Mittwoch, 02.03.2011:
Frau angezündet: "Wollte ihr nur Angst machen"
Eine Prostituierte wurde in Wien mit Benzin überschüttet und angezündet - Sie überlebte knapp - Der angeklagte Zuhälter sagt, er habe ihr nur "Angst machen wollen"
Wien - Manchmal ist das Interesse der Öffentlichkeit größer als die gebotenen Rahmenbedingungen. Verhandlungssaal 305 im Wiener Landesgericht ist so mini, dass die Richterin schon vor dem Prozessbeginn die Notbremse ziehen und etliche Zuhörer wegschicken muss. Es geht um tiefe Abgründe in der Wiener Unterwelt, genauer um den 30-jährigen Zuhälter Bogdan N., in seiner Umgebung unter dem Namen "Cretu" bekannt und gefürchtet. Im vergangenen Mai soll er eine Prostituierte - wie er aus Rumänien - mit Benzin übergossen und angezündet haben, weil sie sich geweigert hatte, eine so genannte Standgebühr zu bezahlen. Die Frau überlebte nur knapp und ist seither entstellt.
In der stickigen Gerichtsatmosphäre bemüht sich Verteidiger Rudolf Mayer dem Schöffensenat das Rotlichtmilieu zu erklären. "Das war ein typischer Denkzettel", setzt er zur Entlastung seines Mandanten an. Auch sein übertrainierter, ganz in Weiß gekleideter Schützling meint: "Ich wollte ihr nur Angst machen. Ich bin eigentlich sehr friedlich."
Körperverletzung mit Dauerfolgen
Überraschenderweise sitzen "Cretu" und zwei Mitangeklagte gar nicht wegen versuchten Mordes auf der Anklagebank sondern nur wegen wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung mit Dauerfolgen. Strafdrohung: bis zu zehn Jahre Haft. "Ich glaube nicht, dass die Angeklagten vor hatten, diese Frau zu töten, und auch nicht, dass sie sich während der Tat damit abgefunden haben, dass sie stirbt", erläutert Staatsanwältin Sabine Rudas-Tschinkel die abgeschwächte Anklage. Was "Cretu" mit seinen eigenen Worten so bestätigt: ""Hätten wir was Schlimmeres machen wollen, hätten wir sie von der Straße weggebracht und in den Wald gebracht und niemand hätte etwas gemerkt."
Die Prostituierte war seit längerem auf der Linzer Straße ihrer Arbeit nachgegangen und hatte sich beharrlich geweigert, "Cretus" finanziellen Forderungen nachzukommen. Als sie am 16. Mai 2010 nach Mitternacht die Diskothek Fantastique aufsuchte, soll der Zuhälter beschlossen haben, sie zu bestrafen. Gemeinsam mit seinem Cousin soll er die Frau zunächst in ein Zimmer geprügelt haben. Nach seiner Rechnung schuldete sie ihm 3000 Euro.
60 Sekunden in Flammen
Als die Rumänin neuerlich verneinte, soll ihr "Cretus" Cousin auf den Befehl "Zünd sie an!" zunächst die Haare angesengt haben. Danach schickte "Cretu" seinen Chauffeur nach einer Flasche Benzin. Wer die Frau mit der Flüssigkeit übergossen und angezündet hat, bleibt in der Verhandlung zunächst unklar. "Cretu" und sein Cousin belasten sich wechselseitig. Das Opfer selbst, das im Vorfeld kontradiktorisch einvernommen worden war und inzwischen das Land verlassen hat, hatte "Cretu" als Täter beschrieben.
Die Frau hat laut medizinischem Gutachten zweit- und drittgradige Verbrennungen im Gesicht, Kopf- und Halsbereich, an der Brust und an den Händen erlitten. Das Opfer dürfte 60 Sekunden in Flammen gestanden sein. Die Verhandlung wird Mitte März fortgesetzt.
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