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Sonntag, 04.09.2011:
Haft für Drogenhandel mit Waffen
Lünen/Dortmund. Die Drogen lagen im Kühlschrank, im Wohn- und Schlafzimmer. 800 Gramm Amphetamine und 400 Gramm Hasch fand die Polizei am 8. März 2011 in der Wohnung eines 21-Jährigen in Alstedde. Gestern bekam er für seine kriminellen Geschäfte die Quittung im Dortmunder Landgericht.
Wegen Drogenhandels mit Waffen verhängte die 36. Große Strafkammer eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Insgesamt wird der junge Mann, der selbst seit seinem elften Lebensjahr „Gras“ geraucht haben will, jedoch vier Jahre und neun Monate hinter Gittern verbüßen müssen: Eine zweijährige Jugendstrafe, die einst zur Bewährung ausgesetzt war, wird jetzt widerrufen. Strafschärfend wertete das Gericht, dass die Polizei bei der Hausdurchsuchung auch eine Schreckschusspistole sowie ein Springmesser gefunden hatte – und damit war der Strafbestand „bewaffneter Handel mit Rauschgift“ erfüllt.
Ein Verbrechen, das normalerweise noch schärfer geahndet wird. Was dem jungen Mann zugute kam: Er hatte gestern am zweiten Prozesstag im Landgericht selbst die Reißleine gezogen, hatte sowohl seinen Hauptlieferanten als auch weitere Männer aus der Szene genannt. Und kam damit in den Genuss des „Kronzeugenparagraphen“ – das gibt Strafrabatt.
Die Schilderung des Mannes bei der Polizei hätte auch eine prima Drehbuchvorlage für jeden „Tatort“ abgegeben: Nachdem sowohl er als auch seine Freundin zu Hause herausgeflogen waren, kamen sie mit einem in Rotlichtkreisen nicht unbekannten Mann in Kontakt. Auf den ersten Blick erwies sich der Bordell- und Hausbesitzer als großzügig: Er machte dem Paar das Angebot, in einem seiner Häuser zu wohnen. Die beiden willigten ein, hatten aber kein Geld für die Miete.
„Monate später sagte er plötzlich, ich sollte in seinem Auftrag Drogen verkaufen“, erzählte der Angeklagte. Drogen, die der „Big Boss“ aus Holland heranschaffte oder auch selbst in der eigenen Haschplantage züchtete. „Ich musste die pflegen, auch für die Beleuchtung sorgen.“ Seine Freundin ging in dem Bordell des Hintermannes anschaffen. Es gelang ihnen, eine eigene Wohnung zu beziehen. Dort wurde der 21-Jährige später auch festgenommen.
Falls es gegen jenen Drahtzieher ein Verfahren gibt, was wahrscheinlich ist, wird der Angeklagte als Kronzeuge aussagen. Dazu hat er sich verpflichtet. Dass ihm die Polizei im März auf die Spur kam, ist der Hartnäckigkeit einer Mutter zu verdanken. Als deren Sohn (17) mit einer Überdosis an Amphetaminen ins Krankenhaus kam, kannte sie kein Pardon: Und Sohnemann rückte schließlich heraus, wer ihm die Drogen verkauft hatte.
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