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Freitag, 23.09.2011:
Hells Angels mit guten Kontakten auch in Freiburg
Die Hells Angels versuchen offenbar nach wie vor, sich über Mittelsmänner Wege in Polizeibehörden zu bahnen, um ihre geschäftlichen Tätigkeiten ungestört fortführen zu können. Noch wird weiter untersucht.
Als Beamte im Oktober vergangenen Jahres Frankfurter Geschäftsräume der Hells Angels durchsuchen wollten und nicht viel mehr als einen Zettel vorfanden mit den Worten „Willkommen Polizei“, war erstmals Gewissheit geworden, was bis dahin nur eine Befürchtung war. Die von langer Hand geplante Geheimaktion war nicht geheim geblieben. Jemand, womöglich aus den Reihen der Polizei selbst, hatte die Razzia verraten – und den Mitgliedern der Rockervereinigung genug Zeit verschafft, um mögliche Hinweise zu vernichten, die auf illegale Aktivitäten hätten schließen können. Ein Schlag für die Beamten, die Material sammeln sollten für ein mögliches Vereinsverbot.
Wer damals den entscheidenden Hinweis gegeben hatte, konnte bis heute nicht ermittelt werden. Möglicherweise aber, so befürchten die Sicherheitsbehörden, ist dies nicht der letzte Fall gewesen. Denn die Hells Angels versuchen offenbar nach wie vor, sich über Mittelsmänner Wege in Polizeibehörden zu bahnen, um ihre geschäftlichen Tätigkeiten ungestört fortführen zu können – mit mehr oder weniger großem Erfolg. Inwiefern tatsächlich hessische Behörden von der Rockervereinigung unterwandert sind, wird derzeit untersucht.
Vom Verfassungsschutz beobachtet
Bisher gibt es Verdachtsfälle gegen fünf Beamte des Frankfurter Polizeipräsidiums und des hessischen Landeskriminalamtes. Sie sollen Dienstgeheimnisse an die Hells Angels verraten haben. Darüber hinaus deutet auch eine Passage aus dem nun öffentlich gewordenen Abhörprotokoll vom Oktober 2010 auf gute Verbindungen der Rocker in die Behörden hin. In dem Telefonat, das zwischen Mitgliedern der Hells Angels geführt wurde, heißt es, man habe im Innenministerium „recherchiert“, wann man „auf dem Plan“ stehe. Es ging offenbar um eine Razzia.
Aus Sicht der Sicherheitsbehörden gehört der Versuch, sich „Informanten“ in Behörden gefügig zu machen, zum System der Hells Angels, die in Hessen fünf Clubhäuser, sogenannte Charter, unterhalten und vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Sie zählen inzwischen zu den mächtigsten Gruppen innerhalb der organisierten Kriminalität. Mitglieder, die innerhalb eines Charter aufsteigen wollen, werden dafür bezahlt, dass sie Kontakte zu Polizisten oder anderen für sie „hilfreichen Personen“ knüpfen. Das geschieht etwa in Diskotheken oder Fitnessstudios. Wen sie ansprechen, wird penibel recherchiert: Meistens sind es Beamte mit Geldsorgen oder einem Suchtproblem.
Es kam zu Übergriffen von Hells Angels auf bulgarische und rumänische Zuhälter
Allein in Frankfurt führen die Hells Angels zwei Charter. Die großen Bordelle im Bahnhofsviertel sind fest in ihrer Hand. Die Jugoslawen, die bis Mitte der neunziger Jahre die Vormachtstellung hatten, haben sie verdrängt. Als sich vor zwei Jahren der Straßenstrich im Rotlichtbezirk verfestigte und die Umsätze in den Bordellen zu sinken drohten, kündigten die Rocker an, die „Sache“ selbst in die Hand zu nehmen.
Sie gründeten sogenannte Dreierstreifen und sind nachts durch das Viertel gezogen, um dort „aufzuräumen“. Es kam zu Übergriffen von Hells Angels auf bulgarische und rumänische Zuhälter. Stadt und Polizei versuchten dagegenzusteuern, indem sie selbst gegen den illegalen Straßenstrich vorgingen. Von diesen internen Querelen wurde kaum etwas bekannt. Nicht zuletzt deshalb, weil die Hells Angels ihre Gewaltbereitschaft, wenn möglich, nicht nach außen kehren. Stattdessen haben sie eine gut funktionierende Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, die weiter an dem Image arbeitet, die Hells Angels seien bloß ein Motorradclub.
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