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Freitag, 23.09.2011:
Junge Mädchen in Saunaclubs und auf den Strich geschickt
Ein paar breitschultrige junge Burschen in Sportkleidung warten vor Beginn des Prozesses am Saal 017 auf den Angeklagten Turgay C. Als der sportliche 29-Jährige in elegantem Schwarz, aber Handschellen und Fußketten von zwei Polizisten gebracht wird, nickt man und bemüht sich, betont cool den Kaugummi zu zermalmen.
Etwas abseits wartet eine hübsche junge Frau auf den Angeklagten. Sie bemüht sich um Fassung, wechselt vor so vielen Augen und Ohren ein paar Belanglosigkeiten. Sie sei seine Verlobte, man wolle – je nachdem, wie das Urteil ausfalle – bald heiraten, erzählt der Angeklagte Turgay C. später dem Vorsitzenden Richter Lothar Schmidt.
Ohne sich eine Regung anmerken zu lassen, lauscht die hübsche junge Frau im Zuschauerraum dann der Anklage. Darin ist von einer anderen jungen Frau die Rede, die ihr Verlobter vor zwei Jahren in der Diskothek in Dettelbach kennengelernt hatte. Aus der anfänglichen Bekanntschaft entwickelte sich eine Beziehung. Im Juli 2009 waren bei ihr durch Führerschein und Autokauf beträchtliche Schulden aufgelaufen.
Schulden? Anschaffen gehen!
C. soll sie noch weiter in die Not getrieben haben, indem er ihr vorschlug, gemeinsam eine größere Wohnung zu beziehen. Er sagte ihr auch, wie sie das Geld dafür aufbringen könne: Wie zwei andere Frauen könne sie für ihn anschaffen gehen und 5000 Euro pro Woche verdienen. Schließlich stimmte sie zu. Sie arbeitete in diversen Clubs, darunter dem „FKK-Club Sylt“ in Nürnberg, mit dem Würzburger Rotlicht-Größen in Verbindung gebracht werden, sowie dem Club „Artemis“ in Berlin, dessen Bauherr ebenfalls ein Würzburger ist. Die Frau war jeweils drei bis fünf Tage in solchen Clubs tätig und musste ihre gesamten Einkünfte an den Angeklagten abliefern.
Schließlich wollte die 19-Jährige aussteigen, was C. laut Anklage mit Drohungen und Schlägen (vergeblich) zu verhindern suchte. Ähnlich ging es vier anderen Mädchen, die auch in Clubs in Ingolstadt, Stuttgart, Fulda und Leipzig vermittelt wurden. Als eine von ihnen aussteigen wollte, drohte er, der Familie zu enthüllen, dass sie als Prostituierte ihr Geld verdient. „Auch schlug er die Zeugin“, heißt es in der Anklage, „Er drohte ihr zudem damit, sie umzubringen.“
Hinterhalt in Lengfeld
Ungehemmt soll der Angeklagte versucht haben, einem anderen Zuhälter ein Mädchen abzuwerben. Als ein anderer versuchte, das mit ihm zu machen, soll C. ihm am 7. Februar 2010 in Würzburg einen Hinterhalt gelegt haben: Die Frau soll den Mann von Stuttgart zu einen Dönerladen in Würzburg-Lengfeld gelockt haben. Als er dort mit seinem Chrysler ankam, lauerten bereits sieben Männer auf ihn, blockierten seinen Wagen. C. soll mit einem Teleskop-Schlagstock zugeschlagen haben, bei dem Versuch, zu entkommen, wurde auch der Wagen des Opfers reichlich demoliert.
Der in Würzburg aufgewachsene Angeklagte ist wegen fünf tatmehrheitlicher Fälle des gewerbsmäßigen Menschenhandels in Tateinheit mit Zuhälterei und anderen Delikten angeklagt. Eine der Frauen ließ sich nicht von seinen Drohungen beeindrucken, sondern vertraute sich der Polizei an. Sie tritt als Nebenklägerin auf. Sechs Verhandlungstage sind angesetzt. Der 29-Jährige schweigt dazu bisher auf Anraten seines Verteidigers Norman Jacob. Für den 12. Oktober hat er eine Erklärung angekündigt.
Erweisen sich die Vorwürfe als richtig, so war C. Kopf einer Gruppe von Nachwuchs-Zuhältern aus der Region, die für Nachschub an jungen Frauen in Rotlicht-Lokalen quer durch Deutschland sorgten. Drei von ihnen wurden im Frühjahr verurteilt, zu Haftstrafen zwischen 21 und 32 Monaten Gefängnis, nachdem sie ihre Taten gestanden hatten.
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