Fellbach. Die Stadt macht klare Vorgaben für Neuansiedlungen imehemaligen Druckguss-Werk: Einzelhandel und Vergnügungsstätten sind ausgeschlossen, Kultur ist aber willkommen. Von Gerhard BrienWas ist möglich in den überwiegend leer stehenden Hallen des ehemaligen Aluminium-Druckgusswerks der Firma Mahle an der Schaflandstraße in Fellbach? Auf diese Frage gibt die Stadt klare Antworten in einem Bebauungsplan-Entwurf, den der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig gebilligt hat. Das gesamte Areal von 2,8 Hektar Fläche, das jetzt neu geordnet werden soll, umfasst neben dem ehemaligen Mahle-Werk auch einige kleinere Grundstücke entlang der Philipp-Reis-Straße. Im östlichen Teil des Plangebiets, unmittelbar anschließend an die siebengeschossigen Gebäude des Büroparks, will die Stadt ein eingeschränktes Gewerbegebiet ausweisen für Betriebe, die das Wohnen nicht wesentlich stören. Der östliche Teil wird für Gewerbebetriebe aller Art freigegeben. So wird ein Übergang zwischen den Bürogebäuden mit hochwertiger Architektur einerseits und dem Industriegebiet entlang der Schaflandstraße westlich des Mahle-Areals geschaffen. Die Baubürgermeisterin Beatrice Soltys erwartet sich von der aktuellen Planung einen Einstieg in eine "langfristig angelegte Aufwertung des gesamten Bereichs".
Das Mahle-Gelände ist vor einigen Jahren bei einer Versteigerung vom Winnender Entsorgungsunternehmer Michael Schief und dem Schmidener Unternehmer Thomas Link übernommen worden. Die Stadtverwaltung will das Gelände nun gemeinsam mit den neuen Eigentümern "neu gliedern", sagte Bürgermeisterin Soltys. Bedeutsam in diesem Zusammenhang ist, was dort angesiedelt werden darf und was nicht. Ausgeschlossen werden Einzelhandelsbetriebe und Hotels - solche Angebote sollen in der Innenstadt oder in den innenstadtnahen Gebieten konzentriert werden. Ausdrücklich ausgeschlossen werden auch Bordellbetriebe, Swinger-Clubs und Vergnügungsstätten aller Art. Derartiges findet sich wenige Schritte entfernt an der Schaflandstraße - bundesweit bekannt und berüchtigt.
Solche Betriebe will die Stadt nur noch dort zulassen, "wo eine gewisse Beeinträchtigung des Images eines Quartiers hingenommen werden kann", heißt es in der Begründung. Das Mahle-Gelände sei dagegen von der Bahnlinie aus voll einsehbar und bilde zusammen mit dem Büropark und seiner hochwertigen Architektur das Entrée in das Gewerbegebiet Esslinger Weg. Nicht erwünscht sind auch Lagerhäuser und offene Lagerplätze sowie Gartenbaubetriebe und Tankstellen. Anlagen für sportliche Zwecke sind nur im Ausnahmefall zulässig. "Ausdrücklich begrüßen" würde Beatrice Soltys aber Kulturveranstaltungen, Events, Jubiläumsveranstaltungen, Messen und ähnliches: "Der Altbestand lässt vielfältige Nutzungen zu."
Gebaut werden darf auf dem Gelände relativ hoch. Das Maß wird vom benachbarten Büropark vorgegeben. Entlang der Philipp-Reis-Straße wünscht sich das Baudezernat sogar eine Mindesthöhe von 18 Metern. Diese Straße soll auf diese Weise als Haupterschließungsstraße zum Gewerbe-Neubaugebiet Esslinger Weg betont werden. Ansonsten sind die Baugrenzen so gezogen, dass die markanten Produktionshallen inmitten des Plangebiets und das mehrgeschossige Bürogebäude an der südwestlichen Ecke des Grundstücks möglichst erhalten werden können.
Mit einem unschönen Problem müssen sich die neuen Eigentümer aber herumschlagen: Der Untergrund des Fabrikgeländes ist mit chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) verseucht. Der überwiegende Teil des Plangebiets wird deshalb im Altlastenkataster geführt. Bei Eingriffen in den Untergrund oder wenn versiegelte Flächen freigelegt werden sollen, müssen das Landratsamt und ein geologischer Gutachter hinzugezogen werden.
Info: Der Entwurf des Bebauungsplans ist vom Gemeinderat einstimmig gebilligt worden. Er liegt in der Zeit von 12. Juli bis 13. August im Stadtplanungsamt, im zweiten Stock des Fellbacher Rathauses zur Einsicht aus. Die Pläne sollen von 12. Juli an auch im Internet unter www.fellbach.de/Bürgerservice/Planen und Bauen einsehbar sein.