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Sonntag, 18.09.2011:

Killer-Ruf aus dem Bordell

Ein Bordellbetreiber aus Hessen fürchtet um sein Erbe. Für 3000 Euro findet er einen jungen Mann, der seine Verwandten ein für alle Mal aus dem Weg räumen soll. Nun stehen beide vor Gericht.


Düsseldorf/Frankfurt –  

Als die Anklage verlesen wird, schüttelt der bullige 56-Jährige immer wieder seinen kahlen Kopf: Der hessische Bordellbetreiber muss sich seit Freitag als Auftraggeber eines Doppelmordes vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten. Der Mann mit dem Schnauzbart soll einen 23-Jährigen angeheuert haben, um seine Enterbung zu verhindern - es ging um eine knappe Million Euro. Der Killer, so die Anklage, ermordete den Stiefvater und die Halbschwester des Hessen in deren Düsseldorfer Wohnung.

Die Anwälte des 56-Jährigen erklärten beim Prozessauftakt, ihr Mandant sei von den Vorwürfen der Anklage tief getroffen. Zudem sei er schwer krank und leide unter menschenunwürdigen Haftbedingungen. Der mutmaßliche Auftragskiller, der für die Tat 3000 Euro bekommen haben soll, hatte bei der Polizei allerdings ein umfassendes Geständnis abgelegt und den Bordellbetreiber aus Burghaun als Anstifter genannt.

Schwarzes Schaf der Familie

Der Mann soll das „schwarze Schaf“ der Familie gewesen sein. Seine Mutter habe ihm dennoch immer wieder Geld zukommen lassen. Als aber durch ein Steuerverfahren herauskommt, dass er im Haus der Familie in Hessen einen Puff betreibt, sollte er enterbt werden und hatte dies auch über eine Anwältin erfahren, berichtete Staatsanwalt Matthias Ridder.

Am 17. Juni vergangenen Jahres habe er deshalb den 23-Jährigen nach Düsseldorf chauffiert. Während der 56-Jährige im Auto gewartet habe, soll sich der 23-Jährige an der Haustür als Paketbote ausgegeben und so Zutritt zu dem unscheinbaren Mehrfamilienhaus verschafft haben. In dem Paket habe sich eine Pistole mit Schalldämpfer befunden. Er drang - so die Rekonstruktion der Ermittler - in die Wohnung ein, schob die betagte leibliche Mutter seines Auftraggebers in einen Nebenraum, und zwang die Opfer, sich mit Klebeband den Mund zuzukleben und zu fesseln.

Polizei spricht von Hinrichtung

Der 82 Jahre alte Stiefvater wird im Bett auf dem Bauch liegend mit zwei Schüssen in den Hinterkopf getötet. Die 39-jährige Halbschwester wird mit einem Schuss, ebenfalls in den Hinterkopf, umgebracht. „Das war eine Hinrichtung“, sagte ein Polizeisprecher seinerzeit. In einem Versteck in der Wohnung blieben dabei Wertpapiere, Bargeld und Edelmetallbarren im Gesamtwert von 150.000 Euro unangetastet.

Die Tochter hatte vor ihrem Tod noch den Notruf 110 der Polizei mit ihrem Handy gewählt, aber nichts mehr sagen können. Dabei waren aber Satzfetzen des mutmaßlichen Mörders mitgeschnitten worden. Erst nach Wochen stießen die Ermittler bei der genauen Untersuchung des Mitschnitts auf die Stimme. „Ich will nichts hören, sonst gibt's Ärger“, heißt es dort. Ein Sprachexperte hatte einen hessischen oder thüringischen Dialekt herausgehört.

Die Überwachungskamera eines nahe gelegenen Hotels hatte zur Tatzeit einen Wagen gefilmt, der sich später als der des ungeliebten Stiefsohns herausstellte. Auf dem Rückweg soll der mutmaßliche Drahtzieher zudem 70 Kilometer vor Burghaun in eine Radarfalle geraten sein. Sondereinsatzkommandos mit über 100 Polizisten nahmen die mutmaßlichen Täter schließlich in Hessen fest. Der Prozess wird am 5. Oktober fortgesetzt. Das Gericht hat bis Dezember mehr als 20 Verhandlungstage angesetzt.



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