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Dienstag, 20.09.2011:

Kleinkrieg im Rotlicht-Milieu

Uelzen. Um 2.30 Uhr geht an der Scharnhorststraße der Wagen eines Bordellbetreibers in Flammen auf, zehn Minuten später durchschlägt ein Stein im Uelzener Industriegebiet die Scheibe eines Konkurrenz-Etablissements – und die Polizei prüft nun, ob die beiden Vorfälle Höhepunkt einer Auseinandersetzung im Uelzener Rotlicht-Milieu sind.


Passanten hatten in der Nacht zu Sonnabend um 2.30 Uhr den brennenden Jeep bemerkt, der an der Scharnhorststraße direkt gegenüber dem Bordell stand. Anwohner ersticken die Flammen mit einem Feuerlöscher, das Fahrzeug hat nach Einschätzung der Polizei nur noch Schrottwert. Während die Feuerwehr noch mit den Restlöscharbeiten beschäftigt ist, redet ein aufgebrachter Fahrzeugbesitzer auf die Polizisten ein. Er spricht von einer Auseinandersetzung im Milieu, beschuldigt Konkurrenten. Gegenüber der AZ sagt er gestern nur einen Satz: „Es sind noch andere Dinge passiert, viel gravierendere.“

Eine Konkurrentin sitzt wenige Kilometer von der Scharnhorststraße entfernt in einem Industriegebiet im Norden Uelzens. „Open“ blinkt es in roter Schrift in dem Fenster in fünf Metern Höhe, die Doppelglasscheibe ist notdürftig geflickt.

Drinnen unter den „Liebesdamen“ herrschen Verunsicherung und Angst. „Das war nicht das erste Mal, natürlich ist das kein gutes Gefühl“, sagt eine. Sie habe allein auf Kundschaft gewartet, als um 2.40 Uhr ein Ziegelstein durch das Fenster im ersten Stock fliegt. Sie sieht noch drei Männer in einem Kleinwagen flüchten.

Es war nicht der erste Zwischenfall in dem nachts einsamen Industriegebiet. „Schon seit vier Wochen geht das so“, sagt die Bordellbetreiberin. Bereits am 1. und 5. September flogen Ziegelsteine in die Wohnung, auch das Auto der Vermieterin sei einmal demoliert worden. „Für die Mädchen ist das natürlich schlecht, sie haben Angst“, weiß sie. Zumal auch schon mal die für jedermann zugänglichen Sicherungen im Flur herausgeschraubt worden sind, schildert die Prostituierte. „Das ist schon schrecklich.“

Am Sonntag seien die Täter von Freitagnacht dann wiedergekommen, am helllichten Tag. „Drei Ausländer, sie haben das Haus gründlich mit Handys gefilmt.“ Sie habe das Kennzeichen des Kleinwagens abgelesen und die Polizei informiert – „aber die sind gar nicht erst gekommen“, beklagt sie. An Zufall, dass sie zwei Mal allein da war, als es krachte, glaubt die Prostituierte nicht: „Das haben die abgepasst.“ Sie spricht ganz offen von „Psychoterror, die wollen uns vertreiben“. Die Betreiberin dagegen will auch über Hintergründe lieber nichts sagen: Das könne „geschäftsschädigend“ sein, befürchtet sie.

Bei der Polizei Uelzen gibt man sich betont zurückhaltend mit Auskünften – „aus ermittlungstaktischen Gründen“, erklärt Sprecherin Nicole Winterbur. In Sachen ausgebranntes Auto habe man zunächst einen Brandsachverständigen eingeschaltet, „weil wir bislang als Brandursache weder Brandstiftung noch einen technischen Defekt ausschließen können“, so Winterbur. Frühestens am Mittwoch soll das Untersuchungsergebnis vorliegen. Doch abgesehen davon seien „die Kollegen natürlich dran an diesen Vorfällen“.



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