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Mittwoch, 04.05.2011:
Kokain aus der Kaffeetasse
Seit gestern müssen sich vier Personen, die in einem Göppinger Bordell mit Drogen gehandelt haben sollen, vor dem Ulmer Landgericht verantworten. Eine Angeklagte gestand.
"Ich war aus Dummheit da rein geraten", erklärte die 37-jährige Angeklagte vor dem Ulmer Landgericht nachdem sie vernommen hatte, dass der Staatsanwalt für eine Geldstrafe plädierte. Sie arbeitete im Jahr 2009 von April bis Juni in einem Bordell in Göppingen und ihr wurde zur Last gelegt, in vier Fällen beim Handel mit Betäubungsmitteln geholfen zu haben. In drei Fällen hatte sie einem Interessenten, der jedoch ein verdeckter Ermittler der Polizei war, Drogen verkauft. Diese waren, wie die 37-Jährige vor der 1. Großen Strafkammer ausführlich beschrieb, in einer Espressotasse in der Küche gelagert. Dem Mann habe sie zweimal drei und einmal vier Plomben, die je fast ein Gramm Rauschgift enthielten, für je 80 Euro verkauft. Das Geld habe sie jedoch gleich an den vermeintlichen Bordellbetreiber weitergegeben. Ob dieser noch weitere Drogen besaß und woher er sie bekam, wusste die Angeklagte nicht.
Ebenso wurde der Frau zur Last gelegt, das Kokain während einer Hausdurchsuchung der Polizei versteckt zu haben. Sie gestand alle Taten und wurde zu einer Geldstrafe von 4200 Euro verurteilt. Der Staatsanwalt plädierte für eine Strafe von 5400, das Gericht verurteilte sie milder. "Sie war eine sehr mutige Angeklagte", betonte der Vorsitzende Richter, Reiner Gros. Die heute in Duisburg lebende Frau sei in eine Geschichte hineingeraten, die "allerhand Haken und Ösen" habe.
Neben ihr saßen noch drei weitere Personen auf der Anklagebank: Ein 42-Jähriger aus Aalen, der das Bordell in Göppingen betrieben haben soll sowie ein 31-Jähriger Stuttgarter, dem vorgeworfen wird, das Kokain geliefert zu haben. Neben den beiden Männern ist noch eine weitere Frau angeklagt, die ebenso im Etablissement angestellt gewesen sein soll und der zur Last gelegt wird, bei den Abverkäufen geholfen zu haben. Beide Frauen wirkten während der Verhandlung emotional und niedergeschlagen. Die 36-Jährige, die ebenso im Bordell gearbeitet haben soll, hatte Tränen in den Augen, als sie gefragt wurde, ob sie sich äußern wolle. Beide Männer wurden mit Handschellen und Fußfesseln in den Saal geführt. Sie ließ die Verhandlung sichtlich kalt. Der vermeintliche frühere Chef der beiden Frauen starrte ausdruckslos vor sich hin, während über die Vergangenheit geredet wurde.
Rund 20 Zuschauer interessierten sich für die Geschichte um den Drogen-Deal. Erst nach umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen, bei denen zahlreiche Gegenstände konfisziert wurden, durften sie den Gerichtssaal betreten. Derzeit sind noch drei weitere Verhandlungstage angesetzt. Der Prozess wird am Dienstag, 10. Mai, fortgesetzt.
http://www.swp.de/goeppingen/lokales/goeppingen/Kokain-aus-der-Kaffeetasse;art5583,948038
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