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Mittwoch, 18.05.2011:

Koks-Deal im Bordell weiter ungeklärt

Drei Personen sollen in einem Göppinger Bordell mit Drogen gehandelt haben. Gestern sagte eine Angeklagte vor dem Ulmer Landgericht aus.


"Ich wollte raus aus dem ganzen Sumpf und bin deswegen zur Polizei gegangen. Ich wollte kein Rotlichtmilieu mehr, sondern Zeit für meine Kinder haben", sagte die 36-jährige Angeklagte gestern vor der 1. Großen Strafkammer des Ulmer Landgerichts. Sie sei zwischen 2003 und 2009 in einem Göppinger Bordell angestellt gewesen und habe eine Liebesbeziehung zum Besitzer gehabt. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau, die heute im Raum Kassel wohnt, vor, in 200 Fällen beim Abverkauf von Kokain geholfen zu haben. Irgendwann habe sie genug gehabt, zeigte sich selbst an und belastete damit auch die beiden Männer, die gestern neben ihr auf der Anklagebank saßen: Der 42-Jährige aus Aalen, der das Bordell in Göppingen betrieben und gewerbsmäßig mit Kokain gehandelt haben soll, schwieg bislang. Mit angeklagt ist auch ein 31-jähriger Stuttgarter, dem vorgehalten wird, die Drogen an den Betreiber verkauft zu haben. Beide Männer sitzen derzeit in Untersuchungshaft.

Die Angeklagte wirkte nervös, knetete ihre Hände während sie befragt wurde und war mehrere Male den Tränen nahe. "Ich wollte mich selbst von dem ganzen Mist befreien", erklärte sie dem Richter. "Es gab Zeiten, da war das Kokain die Haupteinnahmequelle im Bordell", gab die 36-Jährige zu. Sie arbeitete als Barfrau dort und sah, welche Kunden kamen und was diese wollten. Unter anderem hätten einzelne Männer des öfteren fünf Gramm Rauschgift mit auf ein Zimmer genommen oder es bei mehreren Besuchen pro Abend abgeholt. Die einzelnen Verstecke kannte sie als Miteigentümerin des Bordells gut. Unter anderem seien die abgepackten Kugeln zu je einem Gramm Kokain in Kaffeetassen, Müllsäcken, Überraschungseiern oder unter Matratzen versteckt gewesen.

Dass der 31-Jährige die Drogen regelmäßig geliefert haben soll, bestätigte die Angeklagte ebenso. In einer Vernehmung aus dem Jahr 2008 sagte sie, die Drogen seien zwei bis drei mal pro Woche von dem 31-Jährigen aus Stuttgart geliefert worden. Bei der Zeugenbefragung vor dem Ulmer Landgericht sprach sie jedoch von ein bis zwei Lieferungen pro Woche. Dies kritisierte der Verteidiger des Bordellbetreibers stark. Er sah Widersprüche in der neuen Aussage der 36-Jährigen und fragte, ob die Angeklagte dem 42-Jährigen beabsichtigt etwas unterstellen wollte. "Sicherlich hatte ich damals auch eine Wut, aber deswegen lüge ich doch nicht", antwortete sie.

Derzeit sind noch sechs weitere Verhandlungstage angesetzt. Der Prozess wird am Donnerstag, 26. Mai, in Ulm fortgesetzt. Auch an den folgenden Terminen gelten umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen für Besucher der Verhandlung.



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