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Donnerstag, 30.09.2010:
Liebesdienerin mit Pistole bedroht
Regensburg. Der junge Tarik A. (Name geändert), Sohn gestrenger Eltern, wollte es mit 19 wissen: In einem Etablissement für käufliche Liebe in der Landshuter Straße erkundigte er sich nach den Tarifen. 50 Euro koste der Service, hieß es. Doch die Dame sei noch nicht frei. Die Wartezeit auf dem Parkplatz verkürzte sich der 19-Jährige: Vor drei Männern, die in einem Auto Bier tranken, markierte er den starken Mann. „Ich bin Kripobeamter“, erklärte er. „Sie dürfen nicht mehr weiter fahren, weil Sie Alkohol getrunken haben.“ Doch die Leute nahmen ihn nicht ernst. Der Beifahrer fragte nach dem Dienstausweis. Das gefiel Tarik nicht. Er zog eine Spielzeugpistole – einer halb automatischen Barretta täuschend ähnlich – und hielt sie dem Fahrer an die Schläfe. „Genügt das als Ausweis?“ fragte er.
„Ich hatte keine Ahnung, ob sie echt ist“, berichtete der Zeuge (29) vor Gericht. „Es war dunkel und ich hatte Angst.“ Der „Kripobeamte“ zwang den Autofahrer mit vorgehaltener Waffe, Kofferraum und Taschen zu öffnen. Dann ließ er die geschockten Männer ziehen, die von einer Tankstelle aus die Polizei verständigten.
Derweil begab sich der 19-Jährige wieder zur Prostituierten, die ihn leicht bekleidet empfing. Als er jedoch auf dem Tisch 150 Euro des Vorgängers liegen sah, änderte der junge Türke seinen Entschluss: „ Ich dachte mir: 150 Euro nehmen ist besser als 50 Euro geben“, bekannte er vor dem Jugendschöffengericht. Wieder kam die Pistole zum Einsatz. Die bedrohte Liebesdienerin flüchtete laut schreiend und erlitt einen Schock. Auch Tarik A. bekam es nun mit der Angst zu tun und rannte davon, wurde aber bald darauf von der Polizei gefasst.
„Ich wollte den Starken spielen“, gab der inzwischen Reuegeplagte Angeklagte als Motiv an. Auf die Frage des Richters, was er selbst denn tun würde, wenn ihm jemand eine Waffe an den Kopf hielte, sage er mit gesenktem Kopf: „Augen zu und beten.“ Weil ihm die Eltern Vorhaltungen machten, setzte sich Tarik zu Verwandten in die Türkei ab,. Doch nach drei Monaten kehrte er freiwillig zurück und stellte sich seiner Verhandlung. Inzwischen hat der junge Mann eine Lehrstelle, möchte neu anfangen.
Die Chance gab ihm, wie zuvor von Staatsanwalt und Verteidiger Martin Hutzler beantragt, das Gericht: Tarik A. wurde wegen versuchten schweren Raubes, Amtsanmaßung und Nötigung zu einer zweijährigen Jugendstrafe auf Bewährung und 250 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.
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