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Montag, 14.03.2011:
„Loverboy“ machte mich abhängig
5000 Opfer gibt es bereits, und es werden immer mehr. Junge Mädchen, die ihrer ersten großen Liebe begegnen. Dem Mann ihrer Träume, der sie mit Geschenken und Komplimenten überschüttet. Derjenige, der sie im Gegensatz zum Rest der Welt versteht und ihr Halt gibt. Doch diese Sicherheit trügt. Diese Männer sind „Loverboys“ und schicken ihre Opfer früher oder später auf den Strich. Für viele Mädchen gibt es kein Zurück mehr aus dieser Abhängigkeit.
Merel van Groningen ist dieser Absprung gelungen. In dem Buch „Und plötzlich gehörst du ihm...“ schildert die mittlerweile 35-jährige Niederländerin ihre bewegende Vergangenheit als Opfer eines solchen Loverboys.
Es fängt alles ganz harmlos an. Merel ist 15 Jahre alt, hat Probleme in der Schule, und ihre Eltern leben getrennt. Der leibliche Vater möchte nichts mehr von Merel wissen, und ihre Mutter kümmert sich nur noch um ihren neuen Partner.
Sie begegnet ganz zufällig dem 26-jährigen Mike. Zunächst ist er nur ein Freund, der ihr einfach nur zuhört. Und sie im Gegensatz zum Rest der Welt versteht und ihr Sicherheit und Geborgenheit bietet.
Merels Freunde warnen sie vor dem Mann, der vorbestraft ist, der mit Zuhältern und Prostituierten verkehrt. Doch sie überhört die Bedenken und begibt sich immer weiter in die Abhängigkeit zu ihm. Sie wird seine Geliebte, und zunächst läuft alles so, wie sie sich das vorgestellt hat. Dann teilt er ihr mit, dass er finanzielle Probleme hat und verlangt von Merel, dass sie anschaffen geht.
Er erpresst sie. „Wenn du nicht das tust, was ich von dir verlange, wird deiner Familie etwas zustoßen.“ Als Beweis gibt er ihr den Autoradioknopf von Merels Mutter. Er verprügelt sie und bedroht sie mit einer Waffe. Er sperrt sie in den Keller, ohne ihr Nahrung oder zu trinken zu geben. Der 15- Jährigen bleibt keine andere Wahl. Ihr erster Freier bietet ihr 35 Gulden, ca. 16 Euro.
„Man lässt sich doch nicht auf den Strich schicken“
Der Begriff „Loverboys“ wurde von der Polizei in den Niederlanden geprägt, wo das Phänomen eines zunächst liebenden Mannes, der zum gewalttätigen Zuhälter mutiert, beschrieben wird. Inzwischen sind „Loverboys“ auch in Deutschland ein weit verbreitetes und nicht zu unterschätzendes Problem. Die Opfer haben nicht nur mit Angst und Scham zu kämpfen, sondern auch gegen das gesellschaftliche Stigma: „Man lässt sich doch nicht auf den Strich schicken!“
Eine, die sich in Deutschland um Betroffene kümmert, ist die ehemalige Kriminalbeamtin für Wirtschaftsdelikte Bärbel Kannemann (62). Sie gilt als Expertin zum Thema „Loverboys“ und engagiert sich unter anderem für die Hilfsorganisation „stop loverboys“, wo ausschließlich ehrenamtliche Mitglieder sich für die Belange von Loverboy-Opfern einsetzen.
Kannemann stellt mit Besorgnis fest, dass das Phänomen immer größere Ausmaße annimmt. „Die Opfer werden immer jünger , und vor allem sind sie in allen sozialen Schichten zufinden. Niemand sollte die Augen vor dem Thema verschließen.“
Bisher gibt es in Deutschland nur drei Fälle, die vom Bundeskriminalamt gemeldet wurden. Die Dunkelziffer liegt jedoch weitaus höher. „Bei mir allein gibt es Wochen, in denen sich bis zu acht Mädchen bei mir melden.“ Bärbel Kannemann erklärt das mit der zu großen Scham und der Angst der Mädchen, über ihr Schicksal zu sprechen.
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