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Freitag, 19.08.2011:

Luden-Theater vor dem Landgericht

Zuhälter Ali B. (20) möchte nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, entsprechend bubihaft seine Erklärung zu den Anklagepunkten: Seine Mutter sei schuld an seinem „gestörten Frauenbild“ und er mache nur nach, was ihm im Milieu „vorgelebt“ würde. Die Vorwürfe der Vergewaltigung und des versuchtes Mordes bestreitet er.


Laut schallt „Bushido“ durch den Gerichtssaal, durch den Lärm tönen die Stimmen junger Männer – die Ermittler haben das Auto von Ali B. verwanzt. Auf den Abhörbändern ist jede Menge Digga-Gangsta-Gequatsche zu hören, zum Teil lustig („Ey, Digga, hast du Wanze im Auto, oder was?“ „Nee, Digga, hier sind keine Wanzen“), zum Teil ernst, etwa wenn der Angeklagte sich mit den Schüssen auf zwei Konkurrenten brüstet. Der Mordversuch vom Mai 2010 war der Polizei lange ein Rätsel.

Ja, er habe geschossen, räumt Ali B. durch seine Verteidigerin ein und gibt sich reumütig: „Es tut mir leid, so was macht man nicht.“ Die Schüsse sollten ein Denkzettel sein, er sei froh, dass er nicht getroffen habe.

Die Kugeln verfehlten Rotlichtgröße Omid A. (34, vorbestraft wegen 220-facher Zuhälterei). Der Zeuge mit dem grotesk aufgepumpten Oberkörper verweigerte die Aussage, angeblich weil seine Anwältin ihn nicht begleiten konnte. Omid A. hat einmal einen Hells Angel angeschossen, die Polizei mutmaßt nun, dass Ali B. im Auftrag der Rocker Rache üben sollte.

Neben dem Mordversuch wirft die Staatsanwaltschaft dem Nachwuchsluden Ali vor, drei Mädchen auf den Strich gezwungen zu haben. Ali gibt sich arglos. Die Frauen seien „unzuverlässig“ gewesen, mal wollten sie sich prostituieren, dann wieder nicht. Möglich, dass er sie bedroht hat, aber dann sind wieder die anderen schuld: „Ich bin den Verhaltensmustern des Milieus gefolgt, wie es mir vorgelebt wurde.“ Und für sein „gestörtes Frauenbild“ sei seine Mutter verantwortlich: „Eigentlich sehne ich mich nach einer heilen Familie.“

Die Vergewaltigung, die eins der Mädchen geschildert hat, sei einvernehmlicher Sex gewesen. „Das ist alles andere als ein Geständnis“, entfuhr es dem Staatsanwalt am Ende der Erklärung genervt.

Im Publikum sitzen mehrere junge Männer, breite Schulter, kahlgeschoren. Wenn sie den Blick des Angeklagten auffangen, grinsen sie, klopfen sich mit der Faust auf die Brust, dort, wo das Herz sitzt. Vor den Pressefotografen werfen sie sich in Gangster-Posen.

Nun soll ein Gutachter klären, ob Ali so entwicklungsverzögert ist, dass er trotz seiner 20 Jahre noch als Jugendlicher durchgeht. Für Ali macht das Gutachten möglicherweise einen Unterschied von mehreren Jahren Haft aus.



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