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Dienstag, 29.11.2011:

Mord-Prozesseröffnung am Dienstag: Erben wollten Geld der reichen Witwe

Ab Dienstag müssen sich die mutmaßlichen Mörder von Beate S. und deren Auftraggeber vor Gericht verantworten.


Krefeld. Er wollte Geld. Doch alles, was Beate S. ihm gab, war das Gefühl, ein Versager zu sein. Das könnte ihr Todesurteil gewesen sein: Am Abend des 16. März wird die vermögende 75-Jährige in ihrer Erdgeschosswohnung an der Camesstraße erwürgt. Lange Zeit glaubt die Polizei, dass Räuber ihr Opfer umgebracht haben. Etwas mehr als zwei Monate später allerding ist klar: Es war ein Auftragsmord aus Habgier. Die potenziellen Erben, so die Ermittlungen der Polizei, hatten die reiche Rentnerin töten lassen. Vier Angeklagte müssen sich dafür ab dem 29. November vor dem Landgericht verantworten.

Der 43-jährige Stefan K. soll es gewesen sein, der den Tod der Witwe wollte. Sein Vater hatte das spätere Opfer schon Jahre zuvor übers Internet kennen- und später lieben gelernt. In dieser Zeit entwickelte sich auch ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Beate S. und Birgit K. (40), der Ehefrau von Stefan K. Auch als dessen Vater starb, soll sich Birgit K. weiterhin rührend um die Seniorin gekümmert haben.

Angeklagter Stefan K. betrieb Bordell in der Gladbacher Innenstadt

Beate S. ließ aber offenbar kein gutes Haar an dem 43-Jährigen, der Anfang 2011 in einem Mehrfamilienhaus in Mönchengladbach ein Bordell eröffnet hatte. Die Räumlichkeiten soll er nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft an mehrere bulgarische Frauen vermietet haben, die sich dort unter der Aufsicht von Hristo I. (29) prostituierten.

Doch das Geschäft lief schlecht, die Liebesdamen zahlten häufig die Miete nicht – Birgit K. soll daraufhin ihren Mann gedrängt haben, das Haus zu verkaufen. Hierbei fand sie offenbar auch Unterstützung bei Beate S., so die Ankläger. Die Seniorin soll den 43-Jährigen kritisiert und ihm das Gefühl gegeben haben, ein Versager zu sein.

Zudem gab es laut Anklage eine Vereinbarung, dass die reiche Witwe ihm Geld gibt – doch das blieb aus.Stefan K. ging davon aus, dass seine Frau das beträchtliche Vermögen von Beate S. erben würde. Er soll daraufhin die Ermordung der 75-Jährigen geplant haben. Bereits Anfang 2011 habe er seine Frau darauf angesprochen, und sie habe ihm zu verstehen gegeben, dass sie das Geld mit ihm teilen und ihn nicht anzeigen werde, so die Ermittler.

Mörder sollte Einbruch und Raub vortäuschen

 

Der Computerfachmann aus dem Kreis Heinsberg wollte sich offenbar die Finger nicht selbst schmutzig machen und beauftragte nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden den auch „Richie“ genannten Zuhälter Hristo I. damit, Beate S. umzubringen. Dafür sollte der 29-Jährige 23 000 Euro erhalten. Seine Aufgabe bestand demnach darin, einen Einbruch vorzutäuschen. Gegenstände aus der Wohnung sollten ihm als „Anzahlung“ dienen.

Den Ermittlungen der Mordkommission zufolge fuhr I. am Abend des 16. März zusammen mit seinem Cousin Hristo M. (20) zur Camesstraße. I. hatte einen Wohnungsschlüssel und seinen Vetter damit beauftragt, von außen die Erdgeschosswohnung zu beobachten und eine SMS zu schicken, wo sich das Opfer aufhält. Der 20-Jährige soll nicht gewusst haben, dass „Richie“ Beate S. umbringen wollte.

Ihm müsse aber klar gewesen sein, dass I. bei der Dame sehr wohl Gewalt anwenden werde. Der 29-Jährige schloss laut den Ermittlern die Tür auf und traf gleich im Flur auf das Opfer, das er zu Boden brachte und erwürgte. Bevor er die Wohnung verließ, nahm er eine Schatulle mit Goldschmuck und das goldfarbene Handy der 75-Jährigen an sich.

Ein kleiner Fehler wurde dem mutmaßlichen Witwenmörder Ende Mai zum Verhängnis. Die Polizei glaubte zu diesem Zeitpunkt immer noch an einen Raubmord. Da das Opfer regelmäßig in Spielhallen verkehrte, waren hier Kontakte überprüft worden. Es wurden aber auch mehr als 1000 bei einer Rasterfahndung ermittelte Krefelder zum DNA-Test gebeten. Doch es war letztlich das Handy der Verstorbenen, das die Ermittler weiter überwachten.

Es wurde sofort registriert, als es kurz benutzt wurde. Eine Ortung des Mobiltelefons führte die Mordkommission direkt zu dem Haus von K. in der Mönchengladbacher Innenstadt. Ein Spezialeinsatzkommando stürmte es früh morgens. Als Chefermittler Gerd Hoppmann die Handynummer von Beate S. wählte, klingelte das Telefon tatsächlich in dem Haus unter einem Bett.



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