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Mittwoch, 22.06.2011:

Mutmaßlicher Mordversuch am Staatsanwalt

Dass Polizisten im Einsatz sind, wenn "Hells Angels" vor Gericht stehen, ist fast schon Gewohnheit. Gestern im Amtsgericht Parchim saßen zwei Beamte in den Besucherreihen. Diese jedoch offenbar, um den Staatsanwalt zu schützen. Der saß dem Angeklagten genau gegenüber: Andreas S., Präsident des Rockerklubs von Schwerin. Dem 44-Jährigen wird Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz vorgeworfen.


Jetzt wird aber auch noch wegen versuchten Mordes gegen ihn ermittelt, wie gestern im Prozess bekannt wurde. Nach dem ersten Verhandlungstag am 7. Juni hatte der Staatsanwalt eigenen Angaben nach auf der Heimfahrt bemerkt, dass etwas mit seinem Auto nicht stimmt. In der Werkstatt sei festgestellt worden, dass an einem Vorderrad alle Muttern gelöst waren, was zu einem schweren Verkehrsunfall hätte führen können. Alsbald geriet Andreas S. als möglicher Verursacher ins Visier der Ermittler.

Er und der Staatsanwalt sind sich schon häufiger begegnet. Wie kürzlich im Schweriner Landgericht, als S. mit weiteren Klubmitgliedern unter anderem wegen versuchter räuberischer Erpressung verurteilt wurde. Der Präsident zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten, die er noch nicht antrat. Sein Verteidiger hat das Urteil angefochten. Der Staatsanwalt hatte eine deutlich höhere Strafe für die Hells Angels gefordert - die ihren Schweriner Klub gerade gegründet hatten, als ihr Präsident auch schon für Monate in Untersuchungshaft musste. Andreas S. bestreitet, irgendetwas mit den gelösten Radmuttern zu tun zu haben.

Er bestreitet auch die Vorwürfe, um die es gestern eigentlich ging. 2009 hatte das LKA bei einer Durchsuchung seiner Lagerhallen auf ehemaligem LPG-Gelände im Kreis Parchim 24 Sprengstoffkapseln in einer Box gefunden. Zufällig, Anlass waren Ermittlungen in anderer Sache. Offenbar wurden ähnliche Zünder in dem früheren Kartoffellager benutzt, um eine Begasungsanlage in Gang zu setzen, die wiederum das ungewollte Keimen der Kartoffeln verhindern sollte. S. wusste nach Angaben seines Verteidigers nichts von den brisanten Kapseln. Bei einer zweiten Durchsuchung 2010 tauchten weitere 33 dieser Zünder auf. Und als jetzt nach den Vorwürfen wegen Mordversuchs die Anlage zum dritten Mal durchsucht wurde, noch einmal rund 40. Die aber, so der Verteidiger, habe S. Ende 2010 entdeckt, als er das Lager selbst durchkämmt habe - und dies habe er dem LKA schriftlich mitgeteilt.

Zu viele offene Fragen, befand das Gericht gestern. Es setzte die Hauptverhandlung aus und trug LKA und Staatsanwaltschaft auf, weiter zu ermitteln.



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