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Montag, 24.01.2011:
Pikanter Prozess um Eskortservice in der USA
In Detroit bereitet sich ein mutmaßlicher Zuhälter auf seinen Prozess vor. Pikantestes Mittel der Verteidigung: eine Kundenliste mit Namen einflussreicher Politiker.
von Matthias Ruch, Detroit
In den USA geht die Angst um. Die Reichen und Einflussreichen aus Washington, Florida, vor allem aber aus Michigan - sie alle fürchten sich vor den nächsten Wochen. Jedenfalls jene, deren Namen auf einer streng geheimen Liste stehen. Es ist die Kundenliste von Miami Companions, einem exklusiven Eskortservice, der mittlerweile vom FBI durchleuchtet wird. Mindestens 30.000 Namen sollen auf dieser Liste stehen - mitsamt Terminen und sexuellen Vorlieben.
Firmenchef Gregory Carr baut nun ausgerechnet auf dieser Liste seine Verteidigung auf: Er muss sich im März vor Gericht verantworten. Der Prozess dürfte pikant werden.
Carr gebührt die zweifelhafte Ehre, zusammen mit seiner Frau Laurie "einen der größten Prostitutionsringe der USA" aufgebaut zu haben, wie es das FBI formuliert. Seit 2001 leitete das Paar das Unternehmen Miami Companions. In Florida hatte die landesweit tätige Firma ihren Stammsitz, besonders viele Kunden kamen zuletzt aus der Region um Detroit.
Teilweise hat sich die zahlungskräftige Klientel über Jahre hinweg regelmäßig von jungen Damen begleiten lassen, zum Dinner, ins Wochenende und vor allem ins Bett.
Die Carrs residierten derweil in noblen Strandapartments und pflegten enge Kontakte ins Showgeschäft, in die Businesswelt und in die Politik. Als Laurie Carr eines Tages den Wunsch hatte, den Präsidenten mal persönlich zu treffen, besorgte ihr ein guter Bekannter aus Washington eine Einladung zu einem Dinner mit George W. Bush. Alles kein Problem, wenn man die richtigen Leute kennt.
Im Januar 2009 war dann plötzlich Schluss, das lukrative Geschäft flog auf: Verdeckte Ermittler beobachteten, wie die Pornodarstellerin Brianna Beach, bürgerlich Melissa Sternberg, in einem Hotelzimmer in Detroit im Stundentakt Herrenbesuche empfing. Jeder Kunde, berichten die "Detroit News", habe 500 Dollar gezahlt, 300 davon durfte Frau Beach behalten. Der Rest ging an die Carrs. Beiden wird nun Zuhälterei und Geldwäsche in etlichen Fällen vorgeworfen.
Die Carrs, mittlerweile geschieden, belasten einander nun gegenseitig. Dabei kommen immer neue, schmutzige Details ans Licht - mit erheblichen Risiken für ihre Kundschaft. Ein ranghoher Lobbyist aus Washington sei Stammkunde gewesen, hat Laurie Carr bereits ausgeplaudert. Sie hat mit den Behörden einen Deal gemacht, ein Geständnis abgelegt und fungiert nun als Kronzeugin gegen ihren Ex-Mann. Dem drohen allein für die schwerwiegendste Anklage 20 Jahre Haft und 500.000 Dollar Bußgeld.
"Ich habe noch nichts gesehen, das meinen Mandanten belastet", sagte Gregory Carrs Anwalt Paul DeCailly der "Detroit Free Press". Sein Mandant sei kein Zuhälter, und er habe auch "nie jemanden dazu verleitet, irgendetwas zu tun". Gregory Carr sei lediglich Miteigentümer des völlig legalen Begleitservice Miami Companions gewesen. Für die illegale Zuhälterei aber sei allein dessen Ex-Frau Laurie verantwortlich.
Allein schon, dass dem Anwalt vor zwei Wochen der Zugriff auf die eigentlich beschlagnahmte Kundenliste erlaubt wurde, ist ein erster Sieg: Bis zuletzt hatte das FBI versucht, die Herausgabe des Beweisstücks zu verhindern - schließlich hat die Bundespolizei kein Interesse daran, die Namen von Washingtoner Größen im Gerichtssaal zu hören.
Am 25. März soll der Prozess beginnen. Dann wird sich zeigen, ob DeCailly prominente Kunden tatsächlich als Zeugen vorlädt. Dass er sich einige dieser Herren persönlich vorknöpfen wolle, hat er bereits angekündigt.
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