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Donnerstag, 20.01.2011:

Prostituierte verlassen in Dortmund wegen der Sexsteuer den Strich

Dortmund. Die Mitarbeiterinnen von Kober, der Beratungsstelle für Prostituierte, wünschen sie sich für die Frauen vom Straßenstrich: eine Schranke an der Einfahrt zur Ravensberger Straße. Die Politik hat diesem Wunsch aber mittlerweile den Rücken zugekehrt.

Die Idee: Bevor der Freier in die Ravensberger Straße einbiegt, soll er zahlen – einen Euro an der Schranke. Erst dann kann er durchfahren. „Dadurch wird besser kontrolliert, wer rein und raus fährt“, meint Christina Stodt von Kober. Außerdem könnte das Geld dafür genutzt werden, dass zum Beispiel endlich Toiletten aufgestellt werden.

Drei verschiedene Varianten hatte die Verwaltung den Mitgliedern des Sozialausschusses bei der jüngsten Sitzung präsentiert: im Einfahrbereich, im Ausfahrbereich und sowohl als auch. Keines der Mitglieder ging auf die Vorlage ein – sie wurde wortlos zur Kenntnis genommen.

Grüne wollten die Schranke

Für Michael Taranczewski (SPD), Vorsitzender des Sozialausschusses, macht es zurzeit keinen Sinn, über eine Schranke zu diskutieren: „Wir müssen erst abwarten, wie es mit der Sexsteuer läuft.“ Auch die CDU hatte das Thema nicht aufgegriffen. Mario Krüger, Fraktionschef der Grünen, erklärt, warum seine Partei den eigenen Vorschlag nicht mehr vorangetrieben hat: „Wir fürchten, dass eine Schranke dazu führt, dass noch mehr Prostituierte die Ravensberger Straße verlassen und in anderen Teilen der Nordstadt arbeiten.“ Die Grünen hatten sich für eine Schranke am Straßenstrich ausgesprochen, da sie lieber über diesen Weg Steuern direkt von den Freiern statt von den Prostituierten einnehmen wollten. Dann wurde die Vergnügungssteuer vom Rat beschlossen.

Seitdem beobachten auch die Mitarbeiter der Mitternachtsmission, dass immer mehr Frauen die Ravensberger Straße verlassen und woanders anschaffen gehen. „Sie gehen in Bereiche, von denen sie meinen, dass nicht kontrolliert wird“, meint Andrea Hitzke, stellv. Leiterin der Mitternachtsmission. „Dadurch wird zerstört, wofür wir gekämpft haben: sichere und hygienische Arbeitsbedingungen“, so Hitzke.

Für Christina Stodt von Kober erhöhe die Schranke vor allem die Sicherheit – ob es zu einer Abwanderung von der Ravensberger Straße gekommen sei, könne man noch nicht sagen: „Um diese Jahreszeit ist zu wenig los, das wird man erst im Frühjahr richtig beurteilen können.“

Mehr Infos und Bilder:http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/Prostituierte-verlassen-in-Dortmund-wegen-der-Sexsteuer-den-Strich-id4179350.html



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