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Dienstag, 03.01.2012:
Prozess um Flatrate-Bordelle zieht sich hin
Stuttgart. Der Hauptdrahtzieher und zwei andere Angeklagte sind noch nicht verurteilt: Seit März zieht sich der Prozess gegen die Betreiber der Flatrate-Bordelle wegen Menschenhandels und Sozialversicherungsbetrugs hin.
Stuttgart. Der Hauptdrahtzieher und zwei andere Angeklagte sind noch nicht verurteilt: Seit März zieht sich der Prozess gegen die Betreiber der Flatrate-Bordelle wegen Menschenhandels und Sozialversicherungsbetrugs hin.
Insgesamt neun Angeklagten wird seit März wegen Menschenhandels mit osteuropäischen Frauen und Sozialversicherungsbetrugs in Millionenhöhe beim Landgericht in Stuttgart der Prozess gemacht. Es geht um die so genannten Flatrate-Bordelle wie den Pussy-Club in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) oder Heidelberg. Etablissements, die wegen ihrer menschenverachtenden Offerten "Sex so lange, so oft und wie du willst" in den Blick der Öffentlichkeit gerieten und inzwischen geschlossen worden sind.
Fünf Angeklagte - sie sind auf Absprachen zwischen Staatsanwaltschaft, Gericht und Verteidigung eingegangen - wurden inzwischen zu Haftstrafen bis zu fünf Jahren verurteilt. Gegen eine weitere 23-jährige Angeklagte wurde das Verfahren eingestellt.
Jetzt stehen noch drei vor Gericht: Der mutmaßliche Hauptdrahtzieher, ein 35-jähriger Rumäne, sowie zwei Landsmänner, ein 37-jähriger Werkstattschlosser und ein 29-jähriger Elektriker. Die drei - zwei von ihnen drohen bis zu acht Jahren Haft - wollen sich auf Absprachen bisher nicht einlassen. "Es sind im Januar nochmal neun Verhandlungstage angesetzt", informiert Rechtsanwalt Jens Rabe aus Waiblingen, dessen Kanzlei Zeuginnen als Nebenkläger vertritt, auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE.
Hinzu kommt, dass der 35-Jährige Ende November plötzlich wegen auffälligen Verhaltens in das Justizkrankenhaus Hohenasperg verlegt wurde. "Es bestand der Verdacht, dass er schizophren ist", sagt Rabe. Er sei gegenüber Mitgefangenen aggressiv geworden und habe über starke Kopfschmerzen geklagt, ergänzt seine Kollegin Michaela Spandau aus Stuttgart, die ebenfalls eine Frau in der Nebenklage vertritt.
Der vom Gericht bestellte Gutachter Hans Bisson, ärztlicher Direktor in Hohenasperg, konnte die Krankheit allerdings nicht bestätigen. Wenn, dann bestehe eine "wahnhafte Störung" in Folge der U-Haft, die bereits seit mehr als einem Jahr dauert. Währenddessen lebte der 35-Jährige weitgehend isoliert. Bisson hält den Mann für verhandlungsfähig. Er könne dem Verfahren folgen. "Trotzdem wird sich der Prozess weiter hinziehen", befürchtet Rabe. Denn das Geständnis, das der 35-Jährige vor seinem Krankenhausaufenthalt abgelegt hatte, hat er inzwischen widerrufen.
Dass das derzeit letzte Verfahren um die Flatrate-Bordelle sich so hinzieht, sei nicht ungewöhnlich, sagt Michaela Spandau. "Es ist komplex." Abgesehen von zig Beweismittel-Anträgen seitens der Verteidiger und einem Befangenheitsantrag, der jüngst gestellt, aber von der Kammer abgeschmettert wurde, zogen sich auch die Befragungen der mehr als 20 Zeuginnen hin.
Sie sprechen kein Deutsch, sie sind oft noch traumatisiert von dem Erlebten - und sie haben berechtigterweise Angst vor ihren ehemaligen Zuhältern. So spürte ein Handlanger der Bande etwa eine 25-Jährige in Rumänien auf, die vor Gericht als Zeugin aussagen sollte. Sie solle ein gutes Wort für einen der Angeklagten einlegen, sonst drohe ihrer Familie Schlechtes. Sie war in dem Flatrate-Bordell in Berlin-Schöneberg zur Prostitution gezwungen worden.
Dass sie sich trotzdem zur Aussage entschloss, sei "beachtlich", sagte der Richter damals bei der Verhandlung im Mai. Laut Michaela Spandau sind trotz der angespannten Situation bisher alle Zeuginnen auch gekommen. Nun steht nur noch eine aus.
http://www.swp.de/ulm/nachrichten/suedwestumschau/Prozess-um-Flatrate-Bordelle-zieht-sich-hin;art4319,1278311
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