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Mittwoch, 07.12.2011:
Streit um Buch von Detmolder Ex-Polizist
Hells Angels Präsident wehrt sich gegen Vorwürfe
VON SUSANNE BARTH UND SILKE BUHRMESTER
Bielefeld. Für mächtig Furore sorgt das Enthüllungsbuch "Treibjagd – Vom Cop zum Outlaw" des Ex-Polizisten Tim K. aus Detmold. Im November wurde es erstmals vom Berliner Stattverlag verlegt, schon jetzt ziehen einzelne Beteiligte dagegen vor Gericht.
So auch der Präsident der Bielefelder Hells Angels, Jörg M.. Der sieht sich in dem Enthüllungsbuch verunglimpft. Am Montag hat M. vor dem Bielefelder Landgericht eine einstweilige Verfügung erwirkt. Einzelne Textpassagen müssen in dem Buch geschwärzt und in kommenden Auflagen verändert werden.
Während Tim K. aus seiner Sicht "unschuldig" im Gefängnis sitzt, schreibt er sein Buch. "Für mich war es eine Art Psychotherapie", sagt er über seine Motivation. Der 37-Jährige schreibt von seinem Leben zwischen den Fronten. Seine Geschichte handele von falschen Engeln, rechtsbeugenden Staatsdienern, von Lügen und Verrat. Es ist die Geschichte eines Ex-Polizisten, der sich zur Hells-Angel-Welt hingezogen fühlt und gegen das SEK sowie einzelne Höllenengel zu Felde zieht.
Neben Polizeibeamten und Juristen aus Lippe, Bielefeld und Dortmund kommt auch der Präsident der Bielefelder Hells Angels in dem Buch vor. Er soll ein V-Mann der Bielefelder Polizei sein. Tim K. versucht Beweise zu sammeln, um Jörg M. zu enttarnen und rekonstruiert sie.
"Von dieser Lüge" fühlt sich der Hells Angel in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt. Auch dass er als "Nasenbär" betitelt wird, sieht er als persönliche Verletzung.
"Das Buch ist vollgestopft mit Verdächtigungen. Im Grunde müsste man es ganz verbieten", sagt sein Rechtsanwalt Christoph Franke während des Verfahrens. Dass der Berliner Stattverlag das Buch vom Markt nimmt, erreicht Franke jedoch nicht.
Obwohl auch einzelne Polizeibeamte und Landrat Friedel Heuwinkel in dem Buch persönlich angegriffen werden und deutlich zu identifizieren sind, erwägt die lippische Polizei derzeit keine juristischen Maßnahmen gegen Tim K., sagte Verwaltungsleiter Leo Weskamp. Auch Landrat Heuwinkel will "persönlich den Ball flach halten", um dem Autor nicht noch mehr Öffentlichkeit zu bieten.
Der hat unterdessen die 5.000 Exemplare der ersten Auflage verkauft, und auch ein Teil der zweiten Auflage (weitere 5.000 Exemplare) steht schon in den Regalen der Buchhandlungen. In den noch nicht augelieferten Büchern müssen nun unter anderem sechs Passagen geschwärzt und Fotos gepixelt werden. Richter Alexander Pahnke sagt, dass die Stellen als "bloße Meinungsäußerung" erkennbar sein müssen.
Trotz der Änderungen sind der Autor und der Gesellschafter des Stattverlags, Jörg-Ulrich Stoeger, mit dem Vergleich zufrieden. "Für uns ist es optimal verlaufen", sagt Stoeger nach dem Gerichtstermin. "Wir als Verlag bekommen noch nicht mal ein Ordnungsgeld". Tim K. geht noch weiter und spricht von einem Gefallen: "Dadurch kurbelt er doch unsere Werbung an."
Die Einnahmen aus seinem Buch kommen dem finanziell gebeutelten K. wohl gerade recht. Immerhin teilt er in seinem Werk mit, dass er auf Grund seiner Prostitutionseinnahmen 35.000 Euro Steuern an den Fiskus nachzahlen muss. In geringem Umfang hilft ihm dabei Vater Staat weiter: Derzeit erhält Tim K. noch 50 Prozent seiner Bezüge als Polizeikommissar.
Denn obwohl er im Mai 2010 als "dauerhaft dienstunfähig" eingestuft wurde, hat die lippische Polizei wegen seiner Kontakte ins Rotlichtmilieu und zu den Hells Angels ein Disziplinarverfahren eingeleitet. "Es wäre schön, wenn das im Jahr 2012 abgeschlossen werden könnte, aber ich glaube nicht daran", sagt Leo Weskamp. Die Akte Tim K. ist noch lange nicht geschlossen.
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