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Sonntag, 09.01.2011:

Zweite Runde im Bordellprozess gegen Strippenzieher im Hintergrund

Stuttgart/Fellbach. Nachdem im vergangenen Jahr die offiziellen Betreiber des Pussy-Clubs wegen Steuerhinterziehung vor Gericht standen, sind nun Hintermänner angeklagt. Von Thomas SchwarzBeobachtern des Prozesses ist schnell klar gewesen, dass hier Strohfrauen und -männer auf der Anklagebank saßen. Zu jung, zu unerfahren wirkten die 27-jährige Geschäftsführerin und ihre zwei Kompagnons, als dass sie in Fellbach, Wuppertal, Heidelberg und Berlin-Schönefeld sogenannte Flatratebordelle hätten alleine betreiben können, geschweige denn, sie hätten die Mittel gehabt, diese zu finanzieren. Wegen Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt wurde die Frau am 23. Juli 2010 zu drei Jahren Haft verurteilt, der eine Mitangeklagte wurde zu zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt, der dritte zu zwei Einzelstrafen unter einem Jahr. Nun wird demnächst jenen der Prozess gemacht, die die Ermittler und die Staatsanwaltschaft für die wahren Drahtzieher halten. Wann, steht noch nicht fest.Der erste Prozess machte bundesweit Schlagzeilen, als er am 17. Februar 2010 vor der 6. Großen Wirtschaftsstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts begann. Zuvor hatte der menschenverachtende Betrieb der Flatratebordelle Empörung ausgelöst, bei dem Freier gegen ein einmaliges Eintrittsgeld so oft, wie sie wollten, mit Prostituierten verkehren konnten. Drei Frauen und drei Männer, die in dem Fellbacher Pussy-Club als Geschäftsführung aufgetreten waren, mussten sich nicht nur wegen Vorenthaltens von Arbeitsentgelt verantworten, sondern sahen sich auch dem Vorwurf des Menschenhandels ausgesetzt.Schlussendlich konnte der letzte Vorwurf nicht bewiesen werden, die Anklagen gegen zwei Frauen wurden eingestellt. Die übrigen wurden verurteilt, weil sie die Prostituierten als Selbstständige angeben hatten, diese jedoch bei den Bordellen beschäftigt gewesen seien. So wurden rund 2,3 Millionen Euro an Sozialabgaben hinterzogen. Andreas Arndt, der Vorsitzende Richter, machte in der mündlichen Urteilsbegründung am 23. Juli klar, dass das Gericht nicht über die Legalität der Flatratebordelle zu entscheiden hatte. Der Eindruck blieb, dass nicht die Richtigen vor Gericht gestanden hatten.Ende November erhob die Staatsanwaltschaft Stuttgart dann gegen neun Männer im Alter von 27 bis 40 Jahren sowie eine 23-jährige Frau Anklage wegen schweren Menschenhandels. In dem Prozess, dessen Termin noch nicht feststeht, sollen nun die Bedingungen zur Sprache kommen, unter denen die meist aus Rumänien stammenden Frauen im Pussy-Club anschafften. Die Angeklagten sollen über Jahre hinweg Frauen aus Rumänien nach Deutschland geschleust und sie zur Prostitution gezwungen haben, auch in Fellbach.Eine 23-jährige Prostituierte hatte bereits im ersten Prozess um den Pussy-Club geschildert, wie sie zur Prostitution gekommen war und wie es in dem Pussy-Club in Heidelberg zugegangen sei. Angeworben worden sei sie von einer Frau in Rumänien, um in Deutschland in der Gastronomie zu arbeiten. Hier angekommen, kam dann das böse Erwachen. "Wir sollten Sex mit Kunden machen", sagte sie. Als sie und ihre Freundin sich weigern wollten, habe es Drohungen gegeben, bis sie sich unter Tränen in ihr Schicksal ergeben hätten.Später habe sie freiwillig angeschafft. Zwei Wochen war die 23-Jährige in dem Pussy-Club in Heidelberg, wo ihr bis zu 1000 Euro wöchentlich zugesagt worden waren. Die Zustände seien unvorstellbar gewesen. Der Fellbacher Oberbürgermeister und Landtagsabgeordnete Christoph Palm (CDU) wandte sich an die Landesregierung, nachdem das Flatratebordell seinen Betrieb in Fellbach eröffnet hatte. Die Stadt hatte keine rechtliche Handhabe, um das unterbinden zu können.Palm forderte eine Gesetzesänderung, die den Kommunen mehr Einfluss verschaffen soll. Im Mai erklärte die Sozialministerin Monik Stolz, man werde über eine Bundesinitiative eine stärkere Reglementierung des "Prostitutionsmarktes" anstreben. Am 4. Juni debattierte der Bundesrat dann tatsächlich über das Thema Prostitution, allerdings darüber, ob eine Kondompflicht in Freudenhäusern eingeführt werden soll. http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.zweite-runde-im-bordellprozess-gegen-strippenzieher-im-hintergrund.0859c807-000a-48ca-aa61-75373e07959c.html



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